Der Arbeitsamtblogger

Seit dem 01. April 2005 bin ich arbeitslos. Jetzt drücke ich mich öfter als mir lieb ist und länger als ich mir wünsche auf dem Arbeitsamt rum. In diesem Blog veröffentliche ich meine Eindrücke, Erlebnisse und gelegentlich auch Informationenen und Tips -- ich bin der Arbeitsamtblogger.

Mittwoch, Juni 01, 2005

Zwischen den Stühlen

Das passt: ich kämpfe jetzt nicht mehr nur mit dem Arbeitsamt, nein nun auch noch mit der Techniker Krankenkasse (TK).

Am 01.04., meinem ersten Tag ohne Arbeit, wurde meine jüngste Tochter krank. Da ich nicht mehr der Hauptverdiener war, ging nicht meine Frau sondern ich mit ihr zum Arzt und blieb mit ihr zuhause. Damit konnte ich mich nicht arbeitslos melden, sondern mußte bis zum 04.04. warten (der 01.04. war ein Freitag). Dementsprechend bekam ich auch erst ab 04.04. Arbeitslosengeld.

Nun ist es nicht meine Schuld, daß Kinder auch mal krank werden. Also kontaktierte ich einen Verwandten, der beim Arbeitsamt arbeitet, um herauszufinden, ob ich nicht trotzdem ab 01.04. Arbeitslosengeld beziehen könnte. Er klärte mich auf, daß es 3 Kriterien für den Bezug von Arbeitslosengeld gibt:
  1. man hat keine Arbeit
  2. man ist arbeitslos gemeldet
  3. man steht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung
Punkt 3 sei bei mir nicht erfüllt; ich hätte das Kind gehütet und damit dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung gestanden.

Das leuchtet mir ein.

Also sendete ich den Krankenschein an die TK. Einige Tage später bekam ich einen Brief, mit der Bitte, mal anzurufen. Die Sachbearbeiterin erklärte mir, ich könne kein Krankengeld auf die Krankheit des Kindes bekommen. Dieses sei eine Lohnersatzleistung und da ich zum Zeitpunkt der Krankheit erwerbslos war, ergo keinen Lohn bekam, könne ich auch die Lohnersatzleistung nicht bekommen.

Ist das nicht fantastisch? Jetzt sitze ich zwischen den Stühlen und kann mir überlegen, wie ich eine der Parteien dazu bekomme, für die 3 Tage zu zahlen.

Um ein Zitat von Douglas Adams abzuwandeln:
Mit Arbeitsamt und Krankenkasse zu verhandeln scheint so erfolgreich, wie der Versuch ein Steak zu braten, in dem man eine Reihe von Leuten nacheinander in die Küche kommen und auf das Steak pusten läßt.

6 Comments:

At 02 Juni, 2005, Anonymous Dr. job.los said...

Wohnst Du etwa in Köpenick? ;-)

Wobei die Begründung "nicht zur Verfügung gestanden zu haben" ja sehr dreist ist. Das erinnert mich an den Witz mit der Hotelrechnung:
"Den Zuschlag für den Pool bezahle ich nicht, ich habe ihn nicht benutzt."
"Aaber sie hätten können."
"Dann bekomme ich noch 100 Euro von Ihnen."
"Wieso das denn?"
"Na, sie haben doch mit meiner Frau geschlafen."
"Hab' ich nicht!"
"Aber sie hätten können."

 
At 02 Juni, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Nein. Wieso? Wohnen dort die, die sich bei allem am dümmsten anstellen?

 
At 03 Juni, 2005, Anonymous Dr. job.los said...

Nein, aber es erinnerte auch an den "Hauptmann von Köpenick" ;-)

 
At 07 Juni, 2005, Blogger carlmaria said...

selbstverständlich ist die begruendung 'nicht zur verfuegung stehen' nicht nur dreist, sie ist auch falsch. Das weiss das arbeitsamt genauso gut wie jeder andere auch. Es ist ausdruck dafür, dass der mensch im arbeitsamt, der sich betruegerisch vermittler nennt, mitglied dieser kinderfeindlichen gesellschaft ist. waehrend du auf der toilette hockst, bist du wahrscheinlich auch nicht vermittelbar. Es wird schon noch der tag kommen, an dem das arbeitsamt ermittelt, wie lange Du Dich auf diese weise der vermittlung entzogen hast. Für diese Zeit kann man dann mit den entsprechenden aufschlägen erst einmal die leistungen kürzen. Und das wiederum ist die bevorzugte taetigkeit der vermittler. Widerspruch einlegen unter anderem mit der begruendung, dass das aufziehen von kindern wichtige pflicht ist, die ja angeblich vom staate gefoerdert wird.

 
At 07 Juni, 2005, Blogger carlmaria said...

Nachtrag: Natürlich hast Du der vermittlung zur verfuegung gestanden. Du oder Deine Frau haetten ja zum beispiel nachtschicht machen koennen.
Nochmal: Widerspruch.
Vermitteln will das arbeitsamt nicht, weil zu inkompetent und weil zu aufwendig, also wird die zeit genutzt, die leute zu demuetigen.
Ich bin ja kein freund der CDU, aber von da kommen stimmen, die bundesagentur aufzulösen. Die wird hinterher keinem fehlen. Kann man eigentlich nur unterstuetzen. Und fuer herrn Weise wird sich schon eine ordentliche abfindung herausschlagen lassen. Das hat der arme mann doch wirklich verdient. Wo er sich doch sooooo eingesetzt hat. Frau Engelen-K. wird mit dafür stimmen, hat sie doch immer so gemacht.

 
At 08 Juni, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Ich laß das auch nicht auf sich beruhen. Irgendeiner muß zahlen, das ist klar.

Ich finde intesssant, wie sich zwei quasi-staatliche Einrichtungen abwechselnd den schwarzen Peter zu schieben.

 

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