Der Arbeitsamtblogger

Seit dem 01. April 2005 bin ich arbeitslos. Jetzt drücke ich mich öfter als mir lieb ist und länger als ich mir wünsche auf dem Arbeitsamt rum. In diesem Blog veröffentliche ich meine Eindrücke, Erlebnisse und gelegentlich auch Informationenen und Tips -- ich bin der Arbeitsamtblogger.

Montag, Mai 30, 2005

Über die Unzumutbarkeit zumutbarer Arbeit

Ab einem gewissen Zeitpunkt ist man als Arbeitsloser verpflichtet, jede zumutbare Arbeit anzunehmen. Ich weiß nicht ab wann. Ich weiß auch nicht, was zumutbar ist. Aber ich weiß, daß ich verhindern muß, daß es mich trifft.

Am Sonntag habe ich begonnen, die 25 Jahre alte Buddelkiste im Garten meiner Mutter zu sanieren. Weit gekommen bin ich nicht. Nachdem ich das Gestrüpp entfernt habe, das mittlerweile über den Sandkasten wucherte, habe ich den Humus -- früher war das mal Sand -- entsorgt.

Als ich 10 Schubkarren vollgeschippt, weggefahren und wieder ausgekippt habe, war ich platt. Mein Körper hat geschmerzt, meine Hände sind mit Blasen übersäht, und mein Selbstbewusstsein ist demoliert.

Meine zarte Informatikerstatur ist für körperliche Arbeit einfach nicht geeignet. Ein ganzer Mann ich nicht bin.

9 Comments:

At 30 Mai, 2005, Anonymous Dr. job.los said...

Du bist Akademiker. Dann sind die vermutlich eher nett zu Dir, weil sie davon ausgehen, dass Du a) selbst initiativ wirst und b) schlau genug zum selber suchen bist.

Ich habe in zwei Jahren einen Stellenvorschlag (im ersten Monat) bekommen.

Und obwohl im SIS regelmäßig Pharmareferenten gesucht werden, für die ich rein formell als Dipl. Biol. qualifiziert bin werden mir nichtmal diese Stellen vorgeschlagen. Entweder sucht die Software nicht für mich oder die Kriterien für ein "Matching" sind matschig.

 
At 31 Mai, 2005, Anonymous Anonym said...

Keine Angst, als Dipl.-Ing. habe ich nie auch nur einen einzigen Vorschlag bekommen. Ich kann nur Dr. Joblos bestätigen, die Trefferquote bei Suche war geringer als die Zustimmung der deutschen Bevölkerung zum EU-Verfassungs-Referendum. Ich bekam 80% Trefferquoten für Maschinenbauingenieurstellen, obwohl ich in meinem ganzen Studium nicht eine Maschine konstruiert habe. Selbst Kaffeemaschinen habe ich nicht angerührt.

Zumutbar? Nimm einfach das erste Angebot und lass den Schergen der AA mal Dir vorrechnen, wie Du mit dem Gehalt alleine die Fahrtkosten zum Job bezahlen sollst, nebenbei vielleicht alle drei Tage mal essen etc.
Ich hatte mein Erlebnis mit einem derartigen Angebot (ohne AA!) bereits gemacht. Stell Dich auf Ausbeuterschweine auf Arbeitgeberseite ein.
Viel Glück trotzdem noch.

Der Pathologe - Autopsien des Alltäglichen

 
At 31 Mai, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Wirklich Sorgen, daß es mich trifft, habe ich nicht. Mir ist nur am Wochenende mal wieder aufgefallen, daß ich auf körperliche Arbeit schlicht nicht vorbereitet bin ;-).

 
At 31 Mai, 2005, Anonymous Dr. job.los said...

Das mit der körperlichen Arbeit wissen die Beas ;-) ja auch. Weswegen auch dieses Jahr keiner zum Spargelstechen geschickt wurde. Dass das nicht jeder kann, sagte ja sogar Herr Weise. Er dacht nämlich an sich und seine Kondition für die Feldarbeit.

Aber es wäre was feines zum Bloggen gewesen. :-)

 
At 01 Juni, 2005, Anonymous heinbloed said...

ein bisschen bewegung kann einem sesselhocker doch nicht schaden.
nebenbei spart es das geld für das fitness-center oder den golfplatz.

 
At 01 Juni, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Ich habe nichts gegen Bewegung. Um ehrlich zu sein, ist mein zarter Informatikerkörper recht massig. Du hast schon recht, es kann nicht schaden.

Ich muß jedoch feststellen, daß das keine Tätigkeit ist, mit der ich mein Geld verdienen möchte.

 
At 04 Juni, 2005, Anonymous CeKaDo said...

Ich habe es, nachdem seit mehr als 2 Jahren von den Arbeitslosenverwaltern nur berufsentsprechende Vorschläge kommen, auch auf Eigeninitiative versucht, JEDEN Job anzunehmen. Die Folge: Ich werde ausgelacht!

Frei nach dem Motto: SIE als gelernter Sesselpuper und mit IHRER Ausbildung wollen hier ne Schaufel in die Hand nehmen? Wollen Sie nicht lieber gleich Krankengeld beantragen?

Kannste also vergessen, das Modell der Zumutbarkeit. Ältere Arbeitsuchende mit hoher beruflicher Qualifikation sind für´s Putzen und für McDonalds einfach nicht qualifiziert genug.

Ach so: Die Arbeitslosenumschuler schulen einen Angestellten des gehobenen Dienstes auch nicht zum Kaufmann um, weil er das ja alles schon weiß. Was aber die potentiellen Arbeitgeber nicht wissen.

Ich stelle inzwischen für Deutschlands Arbeitsmarkt fest: Nichtwissen ist Macht! Und eine Arbeitsplatzgarantie. Überlasst die Qualifikationen den Import-Arbeitnehmern aus Indien und so.

 
At 27 Juni, 2005, Anonymous Anonym said...

Im September werde ich meinen Dipl.-Inf. (Univ) haben. Wenn ich das hier so lese, ueberlege ich mir, ob ich mich nicht lieber gleich umbringen sollte.

Die Arbeitsagentur scheint ja wirklich nur was fuer hart gesottene zu sein.

 
At 28 Oktober, 2005, Anonymous Anonym said...

Ein Freund von mir - auch arbeitsloser Akademiker Dipl. Ing. - hat alle Möglichkeiten der Fortbildung (MBA Master oder so etwas) genutzt, da kann aber kein Arbeitgeber etwas mit anfangen. Nützt also alles nichts. Die Anforderungen sind so eng gestrickt, dass es purer Zufall ist, wenn man das Gros erfüllen kann. Die Bereitschaft, sich schnell in neue Techniken einzuarbeiten - was man im Job ohnehin tun muß -, wird wie folgt mit einem süffisanten Lächeln honoriert: Da kann ich Sie aber nur zu einem Gehalt eines Anfängers einstellen (d.h. 50 % Abschlag). Danke, da häng ich mein Diplom lieber an den Nagel und werd Lehrer !

 

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