Der Arbeitsamtblogger

Seit dem 01. April 2005 bin ich arbeitslos. Jetzt drücke ich mich öfter als mir lieb ist und länger als ich mir wünsche auf dem Arbeitsamt rum. In diesem Blog veröffentliche ich meine Eindrücke, Erlebnisse und gelegentlich auch Informationenen und Tips -- ich bin der Arbeitsamtblogger.

Freitag, Mai 27, 2005

Wie einen das Leben als Arbeitsloser verändert

Ich bin jetzt fast 2 Monate arbeitslos. In diesen 2 Monaten habe ich diverse Änderungen an mir und meinem Lebensstil bemerkt. Und das, obwohl es mir finanziell noch immer recht gut geht.

Hier die bemerkenswertesten Sachen:
  • Bei uns im Haus gibt es einen richtigen Bäcker, also einen der Brötchen bäckt anstatt sie nur aufzuwärmen. Das ist jetzt egal: wir kaufen keine Brötchen mehr.
  • Unser Wochenendeinkauf fällt kleiner aus und findet in Teilen beim Discounter statt.
  • Selbst wenn nur noch 5 EUR im Portemonnaie sind, gehe ich erst zum Automaten, wenn auch die alle sind.
  • Es werden keine CDs mehr gekauft. Saturn, soundflat.de und greenhellrecords.de werden grundsätzlich gemieden
  • Als ich mir letztens eine DVD gekauft habe, hatte ich ein schlechtes Gewissen.
  • Wenn meine Frau liest, daß ich mir schon wieder eine DVD gekauft habe, wird sie mich — wahrscheinlich zurecht — tadeln.
  • Das OX-Fanzine lesen macht keinen Spaß mehr. Das geplante Abo fällt weg.
  • Meine Frau und ich streiten uns übers Geld.
  • Ich überlege dauernd, wo wir sparen können: Wohnung, Tageszeitungen, c't, Internetanschluss.
  • Es stellt sich die Frage, ob man nach dem Training wirklich jedesmal mit in die Kneipe muß.
Das ist das, was mich an der Arbeitslosigkeit wirklich ankotzt.

10 Comments:

At 29 Mai, 2005, Anonymous Anonym said...

HIV seit 1/05: Auto verkauft; Nur noch Aldi/Lidl; Sehr viel weniger Fleisch und Wurst, oft Tütensuppe; Kein Bier/Cola/Wein, Wasser ist gesünder; Keine Tageszeitung mehr, keine gelegentlichen Magazine; Kabel und GEZ abgemeldet, in DVB-T investiert; Kino/Theater/Konzert: Ha ha; Rauchen: Feinschnitt; Arzt/Zahnarzt: fällt aus; Einziger Luxus: DSL; Öfters mal die erwachsenen Kinder anbetteln, per Mail, hinfahren geht ja nicht mehr; Sind alle Rechnungen (Miete, Wasser, Strom usw.) bezahlt, bleiben rechnerisch 2,62 € pro Tag. Da muss ich sogar auf die Briefmarke für eine Bewerbung sparen.

 
At 29 Mai, 2005, Anonymous Dr. job.los said...

Hast Du Deine Ausgeben in einer Buchführung? Ich bin da ja auch nicht der Held, aber ich hatte mal festgestellt, dass bei mir (kein Auto) Essen, Miete und Kleidung die größten Posten im Monat sind.

An der Miete kann man nichts sparen (ev. Wohngeld beantragen, ist eine vermögensunabhängige Sozialleistung), beim Essen schon.

Nicht mehr Essen gehen, nichts mehr an der Tanke (außer Benzin und der FAZ am Samstag) kaufen, konsequentes Einkaufen bei Aldidl&Co. Aufhören mit dem Rauchen würde auch was sparen, nur habe ich damit nie angefangen :-)

CDs und DVDs liegen lassen spart tatsächlich jede Menge. Ich bin dafür nun auf die Stadtbücherei ausgewichen (und die haben auch ct und Tageszeitungen im Abo.)


Brötchen sind meiner Meinung nach nicht die treibenden Kostenfaktoren (Jedenfalls gab und gibt es die bei mir immer nur am Wochenende.) Das würde ich mir ja noch gönnen.

Viel blöder ist, dass man beim Essen auf erstaunlich billige Fertiggerichte wie Tütensuppen und Aldi-Miraculi-Imitat ausweichen muss und sich damit (wegen all der Geschmacksverstärker, Emulgatoren und Zuckerstoffen) ungesund ernährt.

 
At 29 Mai, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Im Rahmen der Planung für die Selbständigkeit habe ich mal unsere Ausgaben im ersten Quartals anylsiert. Auch wir zahlen am meisten für Miete und Lebensmittel. Ein anderer großer Posten sind die Beiträge für die Kita. Das sind aktuell 400EUR pro Kind. Wir gehen allerdings davon aus, daß sie um die Hälfte sinken.

Das unangenehme ist, einen Großteil der Kosten kann man kaum reduzieren. Insbesondere Miete, Nebenkosten, Strom etc. steigen ständig. Jeder Spareffekt wird durch Erhöhungen wieder ausgeglichen.

Das mit der Stadtbücherei ist keine schlechte Idee. Nur habe ich einen ziemlich speziellen Musikgeschmack, der wird sich dort nicht befriedigen lassen.

Das Brötchen nicht das sind, was uns in die Pleite treibt, weiß ich auch. Komischerweise kaufen wir trotzdem keine mehr. Muß unterbewußt sein.

Im Grunde ist mir bewußt, daß es bei mir Jammern auf hohem Niveau ist. So schlimm wie Anonymous geht es mir natürlich nicht. Meine Frau verdient gut und mein Arbeitslosengeld ist dank meines Informatiker-Gehaltes aus Boomzeiten auch hoch.

Ich habe jedoch festgestellt, daß ich nicht mehr so locker mit Geld umgehe wie früher, obwohl ich es wohl noch könnte.

 
At 31 Mai, 2005, Anonymous Anonym said...

das kenne ich.
wartet erst mal ab, bis almosen 2 gezahlt wird.
an zeitschriften leiste ich mir nur noch pc-welt und com!. dsl muss sein, man will ja nicht von der welt abgeschnitten sein. dazu flät und phone-flät. auto hab ich nicht. lebensversicherungen und fonds wurden von staats wegen gekündigt und aufgebraucht.
von tütensuppe kann man eigentlich ganz gut leben, quirle ein ei rein, da finden die zähne wenigstens etwas.
gesund ernähren ist nicht mehr, einfach zu teuer. ab und an mal freunde anrufen und sich zum kaffee oder zum abendbrot einladen lassen ... ist mir langsam zu peinlich. mit alg2 kannst du gez-befreiung beantragen, wenn du die dann hast, latsche auf den t-punkt und hole dir den sozialtarif der telekom.
bewerbungen zahlt das arbeitsamt. noch. pro stück gibts 5 euronen aufs konto, wenn man es beantragt. da gibts dann aber auch ne köchstsumme pro jahr....
man weiss manchmal garnicht, wie sehr man sich einschränken kann...

 
At 10 Juni, 2005, Anonymous Windrose said...

Am meisten stört mich meine gesellschaftliche Irrelevanz. Ich würde ja gerne etwas beitragen,aber nicht nur ehrenamtlich, was ich ja weiterhin tue. Und natürlich sind da die Einschränkungen verschiedener Art. Wenn es Treffen mit anschließendem Essen gibt, behaupte ich, ich hätte was anderes zu tun. Ich warte auf meine Daueraufenthaltserlaubnis in Kanada damit meine Arbeitserlaubnis hier überhaupt zu irgendwas nutze ist. In meiner Naivität habe ich nicht daran gedacht, dass Jobs zuerst an Kanadier und Leute mit einer permanenten Aufenthaltserlaubnis vergeben werden. Leute wie ich haben da keine Chance. Ergebnis: Zeitung nur am Wochenende, Bücher nur von der Stadtbücherei oder bei Booksales für 1$ (und hinterher wieder verkaufen), keine CDs, so wenig Autofahren wie möglich (aber ohne Auto geht hier leider nicht viel), keine Kurse mehr. Aber das Schlimmste ist wie gesagt, etwas zu können, was keiner von einem annehmen will: arbeiten zu können.

 
At 12 Juli, 2005, Anonymous Anonym said...

Womit ich nicht gerechnet hatte, und was mir wirklich zusetzt, ist, dass meine Eltern sich für mich schämen (und sich dafür wiederum vor mir schämen) und angefangen haben, mich vor Bekannten zu verleugnen.

Gesund ernähren kann man sich aber auch mit wenig Geld.

Der Aufwand für Planung, Einkauf und Kochen steigt dabei allerdings. Wer sich traut, kann sogar ungewöhnliche Quellen erschließen. Beim örtlichen Rewe-Markt werden abgeschnittene Wurstenden und unsymetrische Anschnitte von Fleisch/Aufschnitt in Tüten gesammelt und man kann sie für 1E pro Kilo kaufen - vorausgesetzt man hat den Mut, sie zu verlangen ("Na? Wieviel haben Sie denn heut schon verschnitten, ui das sieht ja wieder böse aus, was kostet denn der ganze Beutel...") und fürchtet sich nicht vor Aspik.

Und Kartoffeln bitte werden ja immer wieder mal von Diätfuzzis verteufelt, enthalten aber trotzig weiter Vitamine und Mineralien. ;-)

 
At 26 Februar, 2009, Anonymous Anonym said...

Hallo,
wie siehts denn mit Energiesparen aus?
Ich habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema beschäftigt.Je nach Dauer können sich Energiesparlampen schon nach einem Jahr rentieren. Man sollte aber lieber Markenprodukte kaufen, sonst verliert man schnelle die Freude am Sparen (siehe test.de). Außerdem sollte man Steckleisten oder Zeitschaltuhren an Geräten anbringen, die man nicht ständig braucht. Manchmal hilft es auch, einfach kreativ zu sein und z.B. den Backofen auszumachen, wenn die Lebensmittel schon fast fertig sind, die Heizung freizustellen oder Kipplüften zu vermeiden.
Empfehlen kann ich, sich auf stromeffizienz.de oder energiespar-rechner.de zu informieren, was sich lohnt.

Ich hoffe ich konnte dir vielleicht weiterhelfen.

 
At 29 November, 2010, Anonymous Silke said...

Ist die Sorge um Geldnot die einzige Änderung bisher, oder hast du dich auch schon an einen anderen Tagsrhytmus gewöhnt?

 
At 29 November, 2010, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Silke, das ganze ist ja nun auch schon 5 Jahre her. Im nachhinein muss man auch sagen, dass das alles übertrieben war. Wir hatten keine Geldnot und haben auch keine. Ich war längere Zeit selbständig und habe dann mit einem Freund ein Unternehmen gegründet, das sehr gut läuft.

Insofern muss ich glücklich sein, dass es damals so gekommen ist.

 
At 03 März, 2014, Anonymous Reinhart said...

Arbeitslosigkeit ist wirklich nur schwer zu ertragen. Nicht aufgeben, es wird schon wieder.

 

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