Der Arbeitsamtblogger

Seit dem 01. April 2005 bin ich arbeitslos. Jetzt drücke ich mich öfter als mir lieb ist und länger als ich mir wünsche auf dem Arbeitsamt rum. In diesem Blog veröffentliche ich meine Eindrücke, Erlebnisse und gelegentlich auch Informationenen und Tips -- ich bin der Arbeitsamtblogger.

Dienstag, April 19, 2005

Ist das hier real oder Satire oder was?

Ein Link vom lieben Schockwellenreiter sendet mir heute einen Haufen neuer Besucher, die unter anderem die Frage aufwerfen, ob das hier Satire ist.

Glaubt mir, es ist real. Ich wünschte mir, dem wäre nicht so. Trotzdem bin recht guter Dinge. Zum einen bringen mich meine Erlebnisse beim Arbeitsamt wirklich zum lachen. Und Lachen hilft. Der erste Besuch beim Amt war so obskur, ich konnte nicht anders -- ich mußte diesen Blog starten.

Zum anderen habe ich das Glück, verheiratet zu sein. Das Geld, das meine Frau verdient, deckt unseren und den Lebensunterhalt unserer Kinder fast komplett ab. Wir haben keine unmittelbaren Existenzängste -- ein Luxus, auf den viele Arbeitslose verzichten müssen. Ich kann meinen Plan, mich selbstständig zu machen, relativ gelassen angehen.

Noch eins: auch wenn ich mich hier übers Arbeitsamt lustig mache, so denke ich trotzdem, daß die Mitarbeiter sich bemühen. Ich werde im großen und ganzen gut beraten. Die Institution Arbeitsamt jedoch verdient jede Schmähung.

8 Comments:

At 19 April, 2005, Anonymous andrea aus köln said...

Ich habe deinen link heute von einem freund zugesandt bekommen, denn ich bin eine mitarbeiterin von der arbeitsagentur bzw. von der arbeitsgemeinschaft (hartz IV). zuerst wollte ich mich einfach maßlos über diesen blogg aufregen, nach diesem artikel beziehe ich jedoch nun alles auf die institution. in vielen punkten stimme ich dir zu, die organisation, die eigenverantwortung und die schlechte führungsstruktur lassen "das amt" ständig in einem schlechten licht stehen. dazu kommen unterschiedliche politische vorgehensweisen. jedoch was zum teil von jedem einzelnen hier abverlangt wird ist immens und wird nicht in der öffentlichkeit verbreitet. meine freunde beneiden mich nicht gerade um meine tätigkeit. geringes gehalt, lange arbeitszeiten und kunden die einen häufig anschreien, kein deutsch können, mangelnde unterstützung der vorgesetzen und handgreiflichkeiten. wenn du fragen hast kann du diese gerne in deinen blogg schreiben, denn ich werde diesen nun regelmäßig verfolgen.

 
At 19 April, 2005, Anonymous Olaf König said...

das hier ist leider kein scheiss oder satire, das ist die bittere wahrheit, was hier steht. das kann ich nur bestätigen.
bei den arbeitsagenturen, jobcentern usw. weiss oft die rechte hand nicht, was die linke macht. und denkt dran, wenn ihr von arbeitslosengeld in sozialhilfe , ups, heisst ja alg2, übergeht, dann habt ihr schon wenigstens zwei ordner, und wenn ihr wie ich noch nebengewerbe habt, dann werden es wohl noch mehr. und dann wundert man sich nicht mehr, wenn man auf einmal meherere tausend euro nachzahlen muss, weil unterlagen in einem ordner sind, aber in dem anderen hätten sein sollen und man sie demzufolge nicht abgegeben hat. einige klärende anrufe und die neueinreichung der unterlagen, weil der ordner wohl nicht mehr auffindbar ist erledigten dann die sache.
andererseits lässt sich das jobcenter aber auch extrem zeit mit dem bescheid.
ich hab den im januar schon persönlich nach zwei wochen abgeholt, zählte aber zu den glücklicken, die zum 1.4. einen neuen antrag stellen durften. aber bis heute hab ich noch keinen bescheid bekommen. aber zumindestens das geld haben die gezahlt.
und über 50m-schlangen vor den schaltern .... da kann ich nur zupflichten, die sind wirklich exitstent.

 
At 19 April, 2005, Anonymous andrea aus köln said...

oh es tut mir leid. es sollte nicht so klingen als würde das alles nicht stimmen. aber man muss sich auch in die situatiuon der mitarbeiter von BA oder ArGe versetzen. das publikum ist nicht gerade das einfachste. viele kunden können und wollen nicht arbeiten. fehlende motivation von seitens der kunden, keine offenen stellen, mang. qualifizierung von kunden und mitarbeitern, zu wenig geld im haushalt, keine weiterleitung von infos durch vorgesetzte, das macht meinen tag auch nicht gerade einfach.

 
At 19 April, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Andrea,

ich danke Dir für Deine Kommentare.

Es ist sicher interessant, wenn sich Arbeitslose wie ich oder Dr. job.los zu ihren Erfahrungen äußern mit dem Amt äußern. Mindestens genauso wichtig ist, Eueren Arbeitsalltag kennenzulernen. Ich unterstelle Euch im Grunde nur das Beste. Daß Ihr die Arbeitslosigkeit nur verwaltet, was könnt Ihr dafür? Die Rahmenbedingungen legen andere fest.

Bei aller Polemik von meiner Seite: es ist mir klar, daß z.B. eine 50 Meter lange Schlange eine Belastung für beide Seiten ist.

Ich freue mich, Dich als Leserin gewonnen zu haben.

 
At 19 April, 2005, Anonymous andrea aus köln said...

ich freu mich auch, denn es ist schön sich mit jemanden auszutauschen der auf der anderen seite ist und sich sogar noch in meine lage versetzten kann. das trifft man leider selten, wenn auch meine kunden zum größten teil sehr nett sind. aber wie man so schön sagt, "wie man in den wald schreit, so ruft es auch zurück!"

 
At 20 April, 2005, Anonymous CeKaDo said...

Ich bin über S(tef)unny und ihren Blog http://joyhillweb.net/blog/ hier aufgeschlagen.

Ich werde öfter schauen.

Denn selbst ich, als "gelernter Arbeitsamt" stehe jetzt auf der anderen Seite des Schreibtischs und wehre mich inzwischen täglich.

Gegen Inkompetenz, Dummheit und Bürokratie in Reinkultur.

Mein Lieblings-Statement ist inzwischen: "Wissen Sie, ich bin arbeitslos und habe den ganzen Tag Zeit, mich ausschließlich mit Ihnen und Ihren Schreiben zu beschäftigen. Möchten Sie das wirklich??"

;-)

 
At 20 April, 2005, Anonymous Kunar said...

Daß Informatiker die Welt nicht mehr verstehen, wenn sie auf dem Arbeitsamt sind, hat einfache Gründe:

1. Informatiker sind die geborenen - oder ausgebildeten - Problemlöser. Die Technik ist egal (ändert sich ja eh ständig); Hauptsache, man kommt voran.

2. Informatiker sind es gewohnt, flexibel und modern zu sein. Sie dürfen sich nicht zieren, neue Sachen auszuprobieren und neue Wege zu beschreiten.

3. Informatiker sind Effizienzoptimierer. Es reicht ihnen nicht, wenn etwas irgendwie läuft: Wenn man's verbessern kann, dann wird's verändert!

Und nun überlege sich jeder Mitarbeiter des Arbeitsamtes, was für einen Eindruck die "Agentur für Arbeit" auf solche Leute machen muß...

Wieso werden die ganzen arbeitslosen Informatiker sind dafür genutzt, alle möglichen Vorgänge (An- und Rückmeldung, Beantragung div. Sachen, Profil aktualisieren) via Internet umzusezten, so daß findige Arbeitslose das übers Internet erledigen können und nicht wertvolle Zeit von Angestellten des Öffentlichen Dienstes wegnehmen?

 
At 10 Mai, 2005, Anonymous Anonym said...

Oh, lese ich doch:
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so daß findige Arbeitslose das übers Internet erledigen können und nicht wertvolle Zeit von Angestellten des Öffentlichen Dienstes wegnehmen?
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Eh, Jungs, was wollt ihr die auch noch in die Arbeitslosigkeit freisetzen? Was wollen die AA-Beschäftigten machen außer sich selbst verwalten? Unter dem nächsten Busch Ostereier suchen? Oder Stellen, die sie dort genau so wenig finden??

 

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