Der Arbeitsamtblogger

Seit dem 01. April 2005 bin ich arbeitslos. Jetzt drücke ich mich öfter als mir lieb ist und länger als ich mir wünsche auf dem Arbeitsamt rum. In diesem Blog veröffentliche ich meine Eindrücke, Erlebnisse und gelegentlich auch Informationenen und Tips -- ich bin der Arbeitsamtblogger.

Donnerstag, April 14, 2005

Der virtuelle Arbeitsmarkt

Das Arbeitsamt bietet auf seinen Seiten den virtuellen Arbeitsmarkt (VAM) an. Bei meinem ersten Gespräch auf dem Arbeitsamt versuchte mich die Mitarbeiterin zu überzeugen, mich in den Arbeitsmarkt einzutragen. Ich habe nur abgewunken.

Weil es kostenfrei ist, haben wir bei meinem alten Arbeitgeber einmal ein Stellenangebot für einen J2EE-Entwickler im VAM aufgegeben. Das Ergebnis war erschütternd: kein Bewerber unter 50, keiner hatte auch nur im entferntesten die nötige Qualifikation und alle Bewerber sahen auf ihren Bewerbungen traurig aus wie begossene Pudel. War auch kein Wunder. Sie hatten alle die klassische Ex-DDR-Bürger-Arbeitslosenkarriere hinter sich (arbeitslos seit 1992, diverse Weiterbildungen, Umschulungen und ABM-Maßnahmen etc). Die hätten unsere Väter sein können. Wir haben es nicht einmal übers Herz gekriegt, sie einzuladen, damit wir etwas mehr Praxis beim Führen von Bewerbungsgesprächen bekommen. Letztlich sind die einzigen guten Onlineplätze zum Auffinden von Informatikern StepStone und Monster.de.

Das lustige ist, nachdem ich das alles erzählt habe, meinte die Dame vom Arbeitsamt nur, daß sie den VAM auch für nutzlos hält. Ihre Frage, wer das Ding zu verantworten habe, konnte ich ihr allerdings auch nicht beantworten.

5 Comments:

At 18 April, 2005, Anonymous Olaf König said...

jaja, da muss ich dir recht geben, die seiten des arbeitsamtes sind gelinde gesagt schrott hoch drei, und der virtuelle sch... , vergiss es. ich hab da auch mein pofil reingestellt. was kam, das war übers internet gesundheitsmüll vertickern. muss nich sein, leute bescheissen tu ich nich, kann ich nich.
besser für regionale angebote ist da www.meinestadt.de .

 
At 19 April, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Wie geschrieben, der virtuelle Arbeitsmarkt taugt nichts. Allein die Anmeldeprozedur ist inakzeptabel.

Wie auch immer. Ich habe noch weitere Posts zum Theme arbeitsagentur.de in der Pipeline. Diese Seite bietet aber auch Futter zum Lästern.

 
At 19 April, 2005, Anonymous Anonym said...

Die Bemerkung .. über 50 ist ziemlich mies.

Ich habe mit 47 Jahren eine 12 jährige Berufserfahrung bei IT Dienstleistern, in leitender Funktion. Dabei konnte ich mich immer mit jüngeren Kollegen messen, war ihnen - schon aufgrund der Berufserfahrung - häufig überlegen. Auch und gerade fachlich. Ich habe bisher mein Alter nicht selbst wahrgenommen - jetzt kommt es wie ein Fallbeil über mich. Und junge Schnösels faseln von .. über 50 als das terminale Ausschlusskriterium. Klasse.

 
At 19 April, 2005, Blogger Arbeitsamtblogger said...

Mit dem Alter allein habe ich kein Problem. Ich bin Anfang 30. Du verstehst, daß ich Hemmungen habe, jemandem, der mein Vater sein könnte, Anweisungen zu geben bzw. ihn ernsthaft ran zu nehmen, wenn er Mist gebaut hat?

Die Lebensläufe der Bewerber waren erschütternd. Arbeitslos seit mehr als 10 Jahren. Eine obskure Umschulung nach der anderen. Uns taten die Bewerber ernsthaft leid (das nutzt ihnen nichts, das weiß ich auch).

Aber was hilft es? Wenn Du jemanden mit mehren Jahren Berufserfahrung mit J2EE, Datenbanken, Softwareentwicklung im Allgemeinen suchst und alles, was über den VAM kommt, sind umgeschulte PHP-Programmierer, dann hat das einfach keinen Sinn. Wir hatten einen erstklassigen Mann verloren und suchten erstklassigen Ersatz.

Ich kritisiere den VAM nicht die Bewerber. Die können nicht unbedingt für ihre Situation.

Mal davon abgesehen bin ich ja nun auch arbeitslos. Ich werde sehen, was mir blüht.

 
At 25 April, 2005, Anonymous Manfred said...

Wenn mich nicht alles täuscht, hat Accenture den VAM "verbrochen".

Yep:

Dieses auf fünf Jahre angelegte Projekt mit einem Finanzvolumen von über 50 Millionen Euro ist Bestandteil eines Gesamtpakets von Struktur- und Anpassungsmaßnahmen innerhalb der Behörde, die BA-Präsident Florian Gerster vor kurzem vorgestellt hat. (karrierefuehrer.de, 06.03.2003)

Im Februar 2004 hatte der Vorstand der BA die Innenrevision der Bundesagentur für Arbeit (BA) beauftragt, das Projekt „Virtueller Arbeitsmarkt“ zu untersuchen. Der Prüfbericht wurde jetzt dem Vorstand übergeben.

Bereits zu Jahresbeginn hatte der Vorstand aufgrund der unübersichtlichen Kosten- und Projektsituation umfassende Maßnahmen eingeleitet:
So waren Controlling und Risikomanagement verbessert, die Projektleitung ausgetauscht und die bis 2008 voraussichtlich entstehenden Kosten auf 163 Millionen Euro begrenzt worden. Die Einhaltung dieses Budgets wird laufend überwacht. Dem Verwaltungsrat der BA wird regelmäßig über den Stand des Projekts berichtet. (BildungsLINKS.de, nach der BA-Presseinfo Nr. 96 vom 3. November 2004)

 

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